Längengrad

Der Bestseller von Dava Sobel

Swedenborg beteiligte sich bekanntlich auch an dem drängendsten Problem seiner Zeit, der Suche nach einer praktikablen Lösung zur Bestimmung des Längengrades. Er setzte ganz und gar auf den astronomischen Ansatz, das Problem mit Hilfe des Mondes zu lösen. Seine Methode veröffentlichte er erstmals 1716 im Daedalus Hyperboreus, der ersten wissenschaftlichen Zeitschrift Schwedens, die er selbst und auf eigene Kosten herausgab. Weitere Veröffentlichungen folgten in den Jahren 1718, 1721, 1727, 1754 und 1766. Man kann also sagen, dass er sich 50 Jahre lang an der Suche nach einer Lösung beteiligte, und zwar auch noch in seiner Zeit als Seher geistiger Welten.


Deswegen wird unsere Leser Dava Sobels Buch „Längengrad“ interessieren, das Swedenborg zwar nicht erwähnt, aber eine fesselnde Behandlung der Thematik ist, die auch ihn beschäftigte. 1995 zum ersten Mal veröffentlicht und inzwischen in der 10. Auflage vorliegend, ist es ein Musterbeispiel für die anglo-amerikanische Art und Weise Bücher zu schreiben. Lässig im Ton, doch niemals den Ernst des Themas aus den Augen verlierend. Informativ, doch niemals den Leser mit überbordendem Fachwissen erschlagend.

Worum geht es? Sobel erzählt vom Leben und Werk des allgemein unbekannten schottischen Uhrmachers John Harrison, dem es gelang mit Hilfe seiner Uhren das Problem des Längengrades zu lösen und damit der Seefahrt zu einer genaueren Navigation zu verhelfen. Bis zum 18. Jahrhundert war die Navigation auf den Weltmeeren weitgehend dem Zufall überlassen. Nur die Erfahrung der Kapitäne und der Navigatoren war es zu verdanken, dass die Schife ihren Bestimmungsort erreichten.

Damals war zwar der Breitengrad bekannt, jedoch nicht der Längengrad. Konnte die Breite anhand der Position der Sonne ermittelt werden, so musste jeder Kapitän passsen, wenn es um die Bestimmung des Längengrades ging. Zu seiner Ermittlung wäre es notwendig gewesen, die genaue Uhrzeit des Heimathafens zu kennen, um anhand dessen die Position bestimmen zu können. Selbst Christopher Columbus segelte bei seiner Entdeckung Amerikas immer am Breitengrad entlang.

Während die Astronomen die Lösung dieses Problems in der Aufstellung von Sterntabellen suchten, beschritt John Harrison einen anderen Weg. Als im Jahr 1714 das englische Parlament eine Belohung von 20000 Pfund (heute wären das mehrere Millionen Euro) für denjenigen aussetzte, dem es zuerst gelang den Längengrad korrekt zu ermitteln, konstruierte Harrison eine Uhr, die auch an Bord eines Schiffes und in verschiedenen klimatischen Zonen präzise die Zeit anzeigen sollte.

Dava Sobel beschreibt diese Bemühungen, aber auch die Intrigen mit denen Harrison zu kämpfen hatte. Die volle Belohung bekam er nie und erst nach einer persönlichen Petition bei König Georg III. wurde ihm eine Entschädigung zugewiesen. Sein Weg der Bestimmung des Längengrades mit Hilfe einer korrekten Zeitmessung erwies sich als der beste. Viele Kapitäne seiner Zeit kauften sich auf eigene Kosten eine genau gehende Uhr um besser navigieren zu können. Dem späten Swedenborg war Harrison übrigens bekannt. Swedenborg schrieb:

Lord Morton „informierte mich außerdem, dass sich die Längengradbehörde am 24. desselben Monats (24.6.1766) bei der Admiralität treffen würde, um zu einer Entscheidung bezüglich der Uhr zu kommen, die Mr. Harrison zum Zweck der Auffindung des Längengrads zur See eingeführt hat. An dem festgesetzten Tag stellte auch ich mich mit zehn Ausgaben meiner Methode vor, die der Sekretär erhalten hatte. Sie wurde den Mitgliedern des Ausschusses gezeigt und lag auf dem Tisch. Aber da sie unter dem Eindruck standen, dass keine Methode realisierbar sei, die den Längengrad mittels des Mondes findet, beschlossen sie am selben Tag, am 24. Mai, dass Mr. Harrison den versprochenen Lohn erhalten sollte.“ (1)

(1) Swedenborg an die Königliche Akademie der Wissenschaften in Stockholm, Doc 203, S. 591f.